Faschismus

Seit einiger Zeit quäle ich mich mit einem Text über die aktuellen faschistischen Tendendenzen im Umgang mit Erwerbslosen. Ich werde dafür wohl noch einige Zeit brauchen, bis dahin empfehle ich den ausgezeichneten Artikel der Neuen Rheinischen Zeitung als Einstimmung.

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13 Antworten zu “Faschismus

  1. Diese Hetze gilt nicht nur für die Arbeitslosen, es wird auch gegen Kranke und Rentner gehetzt.
    Ich will das mal mit den leicht zensierten Worten eines Rentners sagen, „Sollen sie es doch so machen wie damals, dann sind sie alle Probleme los“
    Dabei hat er sich auf die Hetzjagd gegen diese Bevölkerungsgruppen bezogen.
    Denn dieses Gefühl haben mittlerweile die Rentner und Arbeitslosen, sie fühlen sich ausgestoßen und bis zu diesen von ihm angesprochenen Schritt ist es nicht mehr weit.
    Irgendwann ist der Staat diese „Probleme“ los, wenn kein Geld mehr zum Leben da ist, dann sind auch die „Schmarotzer“ nicht mehr da.
    Mein Gott, in was für einer Welt leben wir nur?
    Da denkt man eigentlich das der Mensch sich weiterentwickelt und dazu lernt, doch anscheinend ist nun ein Punkt erreicht, wo er sich zurück entwickelt.

  2. James Burnham „Das Regime der Manager“ (us. 1941 / dt. 1948)
    „Auf wirtschaftlichem Gebiet können wir den Staat stets als Untergebenen, ja als Dienstmagt der Kapitalisten und Geschäftsleute, nicht aber als deren Herrn ansehen.“
    Eine aktuelle Bestätigung der Burnhamschen Feststellung kann nachgelesen werden in „Die Strippenzieher(Manager, Minister, Medien – wie Deutschland heute regiert wird)“ Econ 2006
    Dazu sage ich mal mit Otto Reuter „ick wunder mir über jarnischt mehr“
    Ansonsten bitte „Faschismus“ nicht inflationär gebrauchen, sonst sagt man damit nichts mehr aus.
    Der Unternehmer bezahlt nicht mehr als das Existenzminimum. Marx
    Bei Löhnen wie in Vietnam wird Adidas in Deutschland produzieren lassen. Wenn die Arbeitslosengelder gestrichen sind, lassen sich solche Löhne aushandeln.

  3. Keine Sorge, ein inflationärer Gebrauch des Begriffs Faschismus schwebt mir nicht vor, im Gegenteil. Aber dazu mehr zu einem anderen Zeitpunkt.

  4. @doerfler, sicher gilt die Hetze nicht nur den Erwerbslosen, allerdings zeichnet sich hier die Errichtung eines staatllichen Kontroll- und Zwangssystems deutlich ab.

  5. Die Hetzerei über die „Kinderlosen“ ist doch auch so eine Diskussion, die schon lange unterhalb der Gürtellinie läuft und die Einmischung in die Erziehungswerte, die die Eltern ihren Kindern vermitteln läuft auch in diese Richtung.

  6. Noch mal, mir geht es nicht um rassistische, fremdenfeindliche oder sonstige Äußerungen, sondern um staatlich verordnete Strukturen, die zu einer Stigmatisierung einer Gruppe führen. Das was mit Langzeiterwerblosen gemacht wird, ist deutlich mehr als nur reine Hetze. Wenn sie uns zwingen Kinder zu kriegen, dann passt das Thema auch hierhin.

  7. Die Verstaatlichung der Sündenböcke, die eigene Macht- und Interessenslosigkeit kaschierend. Mir wird immer schlechter, je länger ich drüber nachdenke. Und finde es beruhigend und erschreckend zugleich, zu wissen, dass ich nicht der einzige bin, der immer faschistoidere Züge entdeckt…

    Ich bin gespannt auf Deinen Artikel und bedanke mich für den Link!

  8. Leistet Widestand: sucht Euch einen job, zieht irgendwohin wo es jobs gibt oder wandert aus! Wenn man kann (und nicht gesundheitlich eingeschränkt ist) sollte man es vermeiden sich staatllichen Kontroll- und Zwangssystemen auszuliefern!

    Mein job ist auch weit von meinem Wunschvorstellungen und Studium weg, ich hoffe auch auf Glück und bessere Zeiten. Für das hier und jetzt ist es ok, und außerhalb der arbeitszeit mach ich was ich will und weiß mich auch zu beschäftigen.

    Ich weiß, es kommt mitunter Überwindung und man sorgt sich ob man aus den miesen jobs wieder rauskommt, aber es sollte ja ansich allen klar sein das von Seiten der Arbeitsagenturen auch nichts gutes zu erwarten ist, am Ende muß man es eh von selbst schaffen.

    Ich definiere mich nicht über Arbeit, es geht mir um Geld und Unabhängigkeit. Möglichst gute Leistung muß man dennoch, auch im eigenen Interesse, bringen.

  9. Aha, mir geht es um ein strukturelles Problem und Du beantwortest es mit dem Aufruf sich einen Job zu suchen. Sehr merkwüdige Einstellung zu einer systemematischen Stigmatisierung einer Bevölkerungsgruppe. Vor allem da klar ist, dass es nicht mehr genug bezahlte Erwerbsarbeit gibt (Arbeit gibts ja mehr als genug, sie wird nur nicht bezahlt.).
    Sorry, aber das ist Unsinn. Erzähl das den insgesamt 8 Mio. Erwerbslosen, denen die 120 Bewerbungen pro Jahr abschicken, das ist zynisch. Du machst Dir was vor, wenn du meinst ein strukturelles Problem mit einer individualistischen Lösung begegnen zu können. Das mag im Einzelfall mal funktionieren. Damit wird auch deutlich, dass du der propagandistischen Gehirnwäsche der vergangenen Jahre auf dem Leim gegangen bist, die ja genau das propagiert, dass es ein individuelles Problem wäre. Dazu hab ich auch in meinem alten Blog mal was geschrieben.

    “ Im Kern dieser Ideologie ist der Propaganda-Ruf nach Individualismus am lautesten, er besagt, dass man es allein schaffen kann, wenn man es nur will und unterschlägt dabei, dass es eigentlich heißt, dass du es allein schaffen musst.“
    Quelle (Alle wichtigen Artikel zum Thema finden sich jetzt unter geschrieben in diesem Blog)

  10. Es gibt „genug“ bezahlte Arbeit, man muß sie nur finden bzw. die Bewerbungsphase erfolgreich überstehen – es ist auch Unsinn zu erzählen man habe viele Bewerbungen verschickt. Die Masse macht es nicht aus, sondern der Erfolg.

    Ja, es sind immer individuelle Probleme, 8 Millionen meist verschiedene Probleme – ich sage nichtmal das eine Lösung gibt, aber wer kann sollte es umbedingt ohne die Sozialsysteme versuchen! Auch weil sie einem selbst meist nichts gutes bringen.

    Stigmatisiert bin ich auch als Geringversdiener, was solls. Als Individuum habe ich nichts davon strukturelle Probleme zu beklagen und selbst nicht zu versuchen etwas, insbesondere für mich selbst, zu verändern.

  11. politischinkompetent

    Das Hauptproblem der Sozialsysteme ist vor allem ihre primäre Untätigkeit und Sammelbeckenfunktion. Es fehlen schlichtweg aktivierende Elemente und Möglichkeitne für die Arbeitslosen. Die Arbeitslosen befinden sich im Moment in einem Becken und dieses Becken hat keine Fluchtmöglichkeiten nach links oder rechts, oben oder unten. Wie bei einem Fleischwolf wird nun der Druck von oben erhöht durch Kontroll- und Zwangssysteme. Ergebnis: Kein positives. Außer vielleicht, dass die so schikanierten Arbeitslosen sich vielleicht dann häufiger das Leben nehmen, häufiger Süchten verfallen oder durch psychosomatische Erkrankungen eher ins Gras beissen. Kurzum, dieses perfide System, in dem eine Horde mittlerweile eigentlich überflüssiger Beamte, die der Staat nicht los wird, über die Horden der aus dem Produktionsprozess ausgeschiedenen wacht und diese schikaniert, ist ein System zur gezielten Zerstörung von Menschen. Vielleicht nicht so offensichtlich wie Arbeits- oder Konzentrationslager, Mechanismen und Ergebnisse sind aber ähnlich. Das „Vierte Reich“ wird das Reich der Rechen, Großgrund- und Großkapitalbesitzer, das Reich, in dem die Reichen mit den Besitzlosen wie mit Sklaven oder Dingen verfahren können, die vom Staat ohnehin nicht mehr geschützt werden. Ich frage mich nur noch, wann eine Regelung verabschiedet wird, dass Arbeitslose ihre Organe ja nicht bräuchten und diese deshalb den „Leistungsträgern“ im Krankheitsfall zur Verfügung stellen müssen. Das, was heute oftmals als „Leistungsträger“ bezeichnet wird, sind meist nichts anderes als Erben, die zuvor vielleicht mal hier und da ein Studium absolvieren und vielleicht noch schnell einen Titel wie Dr. oder Prof. erwerben können, weil sie sich nie Gedanken über ihre Grundversorgung machen müssen, welche bei ihnen einen Umfang der Versorgung bezeichnet, die von den Massen als Luxus bezeichnet wird.

    Mir graut es vor diesem Deutschland und diesem Europa und deshalb bin ich schon mittendrin in der Flucht in ein Land außerhalb Deutschlands, außerhalb der EU und außerhalb Amerikas, wo dieser Prozess zum „Fourth Reich of the Rich“ schon weiter fortgeschritten ist. Und wieder einmal gilt: Denke ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht. Die Deutschen haben nichts dazugelernt…

    Mfg

    Daniel

  12. He,
    dieser Beitrag und auch die Diskussion grenzen für mich an Offenbarung. Habe nämlich vor paar Tagen eine Konferenz besucht über Krieg/Sozialraub/Reperssion/neuen Faschismus http://opablog.twoday.net/stories/2109947/.
    So gut dort einige Zusammenhänge von Faschismus und Krieg dargestellt wurden, so schwach und unbefriedigend war die Analyse der“faschistischen Tendenzen“ unseres Alltags.
    Auf den Text, mit dem Du, Somlu, Dich quälst, bin ich meganeugierig.

  13. Pingback: Disziplinierungstechniken « Somlus Welt

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